Beim
ersten Schorndorfer Schachcomputer-Treff
Outsider
machte Teuflischen zu schaffen
Seinzig
gute isch, daß die Computer nedd neischwätze könned, dia halt'ed
ihr Gosch!" - „Ja, bis auf dr Kishon Chester" - am
Freitag abend veranstaltet der Schachverein Schorndorf erstmals einen
Schachcomputer-Treff -und Kishon Chester ist übrigens der einzige
sprechende Schachcomputer, der vor allem krasse Fehlzüge seiner
Gegner schnoddrig kommentiert.
Die
Zuschauer in der Karl-Wahl-Begegnungsstätte, fast ausnahmslos
Clubspieler, hatten dazu eine Handvoll elektronischer Schachgehirne
mitgebracht, und so amüsierten sie sich beim Kiebitzen, statt selbst
die grauen Zellen zu--strapazieren.
Seit
die Computer mehr und mehr Oberwasser gewinnen, ist das Verhältnis
des durchschnittlichen Clubspielers zu den Denkmaschinen ein
spezielles. Schon deshalb blühte der Flachs recht üppig, wenn den
Programmen Fehler unterliefen. „Die derfed au mol en Blackout habe,
wenn des scho onser Bundeskanzler han derf . . . "
Stärken
haben die Programme vor allem in scharfen Stellungen, wenn
kurzfristig Materialgewinne oder Mattangriffe möglich sind. Hier
greifen sie so gut wie nie fehl, weil sie in aller Regel weiter
rechnen. Die Überlegenheit des Menschen wiederum besteht darin,
nicht nur kurzfristig zu denken, sondern auch die im Schach so
wichtigen langfristigen Perspektiven zu sehen. Ein guter Spieler ist
da den meisten Programmen noch überlegen. Er baut sein Spiel
entsprechend auf.
In
der Karl-Wahl-Begegnungsstätte kam es in jüngster Vergangenheit
immer häufiger zu Begegnungen zwischen Mensch und Computer. Wenn
beim Clubabend am Freitag die mitternächtliche Stunde naht, packt
meist der Neuschorndorfer Michael Graf sein Spitzengerät aus, und
dann geht es um die Mark.-Gewinnt der Computer, bleibt sie bei dessen
Besitzer, was recht häufig der Fall ist. Selbst Spieler der ersten
Mannschaft mußten schon Lehrgeld bezahlen.
Mit
von der Partie bei den Computergefechten am Freitag abend waren auch
Programme erster Sahne: drei „Mephistos" des Münchner
Branchenführers Hegener und Glaser, der seit Jahren bei den
Schachcomputer-Weltmeisterschaften die Siegerprogramme stellt, ein
„Designer
Master" - angeblich „stärker als Mephisto Roma" - und,
als krasser Außenseiter ein zehn Jahre altes Programm „made in
Hongkong", ein „Novag Constellation".
Erheitert
nahmen die Anwesenden auf, daß gerade der Outsider aus der englische
Kronkolonie den Teuflischen aus der bayrischen Hauptstadt manch'
harte Nuß zu knacken gab. So gewann Novag die erste, recht wilde
Partie, widerlegte mit den weißen Steinen die anspruchsvolle
Sweschnikow-Variante von „Mephisto exelusive"--in der
Sizilianischen Verteidigung. „Au Backe, do isch was los",
kommentierte Besitzer Bernd Heisele. Doch nach der zweiten und
dritten Partie stimmte die Hackordnung wieder. Mephisto drehte den
Spieß rum.
mpf/Bild:
Steinemann